Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie für die Zukunft – doch ihr ökologischer Fußabdruck wächst rasant. Googles KI Gemini steht dabei exemplarisch für ein Dilemma: Innovation und Nachhaltigkeit geraten immer stärker in Konflikt. Dieses Spannungsfeld diskutieren wir im Mai 2026 auf der TransformIT Europe Expo & Conference in Brüssel.
Von Jan Nintemann und Jochen Siegle, Foto: Google AI KI, Foto Scott Rodgerson Unsplash
Laut Google verbraucht eine typische Gemini-Anfrage lediglich 0,24 Wattstunden Strom, 0,03 Gramm CO₂-Äquivalente und 0,26 Milliliter Wasser – so viel wie „neun Sekunden Fernsehen oder fünf Tropfen Wasser“. Das klingt harmlos, doch hochgerechnet auf Milliarden Anfragen täglich erreicht der Ressourcenverbrauch das Niveau ganzer Städte.
Transparenz oder PR? Kleine Zahlen – riesige Dimensionen
Positiv: Google hat erstmals konkrete Zahlen zum Energieverbrauch seiner KI veröffentlicht. Kritiker:innen wie Lynn Kaack (Hertie School) und Shaolei Ren (University of California) sprechen jedoch von geschönter Bilanz. So fehlt etwa der indirekte Wasserverbrauch der Kraftwerke, die Rechenzentren mit Strom versorgen. Laut Unternehmensangaben stieg der Wasserverbrauch der Google-Rechenzentren 2023/24 um fast 30 %.
Greentech oder Greenwashing?
Google betont in dem Report Effizienzgewinne pro Anfrage – doch entscheidend ist die Energiequelle: Wird Strom aus fossilen Energien genutzt, bleibt der CO₂-Fußabdruck hoch. Zudem wächst der Gesamtbedarf an Rechenleistung stetig – jede Effizienzsteigerung wird durch steigende Nachfrage aufgefressen. Das stellt das Versprechen vieler Tech-CEOs infrage, KI sei ein „Treiber für Nachhaltigkeit“.
Mehr Transparenz gefordert
Neben Google hat bisher nur das französische KI-Startup Mistral Zahlen offengelegt. Forscher:innen wie Sasha Luccioni entwickeln mit dem AI Energy Score Ansätze für vergleichbare Benchmarks. Einheitliche Standards fehlen jedoch – und damit auch eine verlässliche Grundlage für Regulierung und nachhaltige Innovation.
KI zwischen Chancen und Risiken
Künstliche Intelligenz kann enorme Vorteile für Greentech und ClimateTech bringen – von smarter Energienutzung bis zur Dekarbonisierung der Industrie. Gleichzeitig droht sie zum größten neuen Ressourcenfresser der digitalen Welt zu werden. Ohne klare Regeln, Transparenz und den konsequenten Einsatz erneuerbarer Energien wird KI eher Teil des Problems als der Lösung.
Ausblick: Diskussion auf der TransformIT Europe 2026
Die Frage, ob KI ein echter Hebel für Nachhaltigkeit wird oder ein neuer Treiber für Ressourcenverbrauch, bleibt offen. Genau diese Spannungsfelder diskutieren wir im Mai 2026 auf der TransformIT Europe Expo & Conference in Brüssel. Dort bringen wir führende Köpfe aus Tech, Politik und Wissenschaft zusammen – um Europas Weg zu einer nachhaltigen, ressourceneffizienten KI mitzugestalten.
Bereits 2025 fand auf der TransformIT Europe die erste European Google Developer Group Conference on the Future of European AI statt. Die GDG Organizers Anna Muzykina und Michael Ramich haben die europäische Tech-Community zusammengebracht, um sich mit dieser zentrale Frage zu beschäftigen.
● https://www.salesforce.com/de/news/ai-energy-score/
● Lynn Kaack (Hertie School) – https://www.hertie-school.org/de/research/faculty-and-researchers/profile/person/kaack
● Shaolei Ren (University of California) – https://shaoleiren.github.io/
● Google Deveoloper Groups Community https://gdg.community.dev/u/mjd8rs/
● European Google Developer Group Conference on the Future of European AI