Während die Welt diese Woche gespannt auf das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Trump und Kremlchef Putin in Alaska blickt, steht Europa digital am Rand – als Zaungast. Die Abhängigkeit von US-Technologien gefährdet wirtschaftliche Unabhängigkeit, Datensicherheit und Innovationskraft. Doch es gibt Hoffnung.
Von Jan Nintemann und Jochen Siegle; Foto: İsmail Enes Ayhan, Unsplash
Der neue Report State of Digital Souvereignty 2025 von Myra Security zeigt: Bei Cloud, Cybersicherheit, Kollaborationstools und KI-Infrastruktur bestehen massive Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern – vor allem aus den USA.
Kontrolle gewinnen, nicht abschotten
„Digitale Souveränität bedeutet, über Entscheidungsoptionen zu verfügen“, sagte Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) jüngst gegenüber der dpa.
Ein kompletter Alleingang sei kurzfristig unrealistisch – stattdessen brauche es gezielte Kontrolle über kritische Technologien und klare Prioritäten: „Wo will Europa führend sein, und wo müssen internationale Angebote sicher und datensouverän nutzbar gemacht werden“, fragt Plattner.
„Abhängigkeit macht erpressbar“ – Dennis-Kenji Kipker, CII
Prof. Dennis-Kenji Kipker, wissenschaftlicher Direktor des Cyberintelligence Institute, warnt ebenfalls: „Fehlende Digitalsouveränität macht Europas Wirtschaft und IT erpressbar – politisch, wirtschaftlich und technologisch.“ Digitale Souveränität beginne bei jeder einzelnen IT-Entscheidung.
Es gebe bereits viele Alternativen in Europa, die jedoch bekannter und konsequenter eingesetzt werden müssten.
Wirtschaft im Realitätscheck
Die Fakten des Myra-Report sprechen eine eindeutige Sprache:
- Nur 10 % nutzen europäische KI-Infrastruktur
- Weniger als 25 % setzen auf europäische Cloud-Dienste
- 40 % sind stark abhängig von nicht-europäischen Cloud- und Security-Anbietern
- Nur 20 % nutzen europäische Security-Lösungen
Besonders kritisch: Fast die Hälfte der Befragten sieht „keine hohe Abhängigkeit“ – oft aus Unkenntnis.
Vom Reden ins Handeln kommen
Laut Plattner müssen wir viel mehr digitale Souveränität wagen – Europa muss gezielt handeln. Sie fordert daher, europäische Anbieter bei öffentlicher Beschaffung zu bevorzugen, strategische Bereiche zu priorisieren und internationale Lösungen abzusichern.
Warum die TransformIT Europe 2026 so wichtig ist
Genau hier setzt die TransformIT Europe 2026 vom 5.–8. Mai 2026 in der Expo Brüssel an:
- Sichtbarkeit für europäische Technologien und Anbieter schaffen
- Vernetzung zwischen Politik, Wirtschaft, Forschung und Start-ups ermöglichen.
- Kooperationen anstoßen, die über Länder- und Branchengrenzen hinausgehen
Digitale Souveränität kann möglich sein
Dass entsprechende Allianzen gut funktionieren können, belegt das Beispiel T-Systems und Google: Seit 2021 kooperieren die beiden Tech-Schwergewichte. April 2025 kündigte die Deutsche Telekom (zu der T‑Systems gehört) eine Erweiterung ihrer Partnerschaft mit Google Cloud bis 2030 an.
T-Systems Manager Jens Mühlner sprach dazu auch bei der TransformIT Europe 2025.
Digitale Souveränität ist nur möglich, wenn Europa gemeinsam handelt. Die TransformIT Europe 2026 im Herzen Europas bietet die Bühne, um aus Ideen konkrete Projekte zu machen – und Europas digitale Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Quellen:
- https://www.myrasecurity.com/en/downloads/whitepaper-co/state_of_digital_sovereignty_2025/
- https://www.telekom.com/en/media/media-information/archive/sovereign-cloud-from-t-systems-and-google-cloud-635314?
- T-Systems & Google Cloud – Souveräne Cloud:
https://www.datacenterdynamics.com/en/news/deutsche-telekom-expands-relationship-with-google-cloud/ - Deutsche Telekom & Google Cloud – Partnerschaftsausbau
https://www.channelpartner.de/article/4038003/digitale-souveranitat-fur-deutschland-vorerst-unerreichbar.html